Agilität im Unternehmen einführen

☝ und wie das gelingen kann...

Text: Mareike Hattendorf  //  09. März 2021

Schon während meines Studiums, aber auch im Projektmanagement bei digit.ly, der Agentur für digitale Wertschöpfung aus Hannover, hat mich genau dieses Thema umgetrieben. Wie können wir es schaffen den Anforderungen der Stakeholder gerecht zu werden? Und wenn Agilität wirklich das aller Heilmittel ist, wie führe ich diese/n Prozess/e ein?

Dafür gibt es doch das Agile Manifest (dachte ich) - da muss doch erklärt stehen, wie das funktioniert... Die wesentlichen Erkenntnisse einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Agilen Manifest, die auch in meinem Buch "Alles agil" beschrieben sind, fasst dieser Artikel zusammen.
 

Where it all began: digit.ly und die agile Transformation 

Vor drei, vier Jahren sind wir bei digit.ly in unseren digitalen Projekten immer wieder mit unserer Herangehensweise, Projekte zu planen, an Grenzen gestoßen. Wir wollten die Projekte unserer Kund*innen schneller vorantreiben, unsere Kund*innen begeistern, wieder schneller auf unerwartete Anfragen und Veränderungen reagieren können - und am besten auch mehr Spaß an der Projektarbeit haben. 

Dass hier ein Umdenken notwendig war, schien klar - als Mittel zum Zweck haben wir uns ab Anfang 2018 dem unterzogen, was ich heute als agile Transformation bezeichnen würde. 

Wie wird man also agil?

Was wir schnell gemerkt haben: Das (Transformations-)Jahr 2018 sehr nervenaufreibend und anstrengend für alle Mitarbeiter*innen und - offen gesagt - teilweise auch für unsere Kund*innen. Ein Grund dafür erschien mir das Fehlen allgemeingültiger Umsetzungshinweise für das Agile. Es gibt das 18 Jahre alte Agile Manifest der Softwareentwicklung, aus dem sich agile Werte und Prinzipien ableiten lassen. Eine allgemeingültige Anleitung, wie diese Werte und Prinzipien in die Praxis umgesetzt werden können, existiert jedoch nicht. Wie ist es möglich, die langjährigen erprobten Prozesse, bewährte Routinen und Denkweisen aller aufzubrechen und zu verändern?

1 // Wie definiert man Agilität?

»Eine klassische Definition des Begriffs „Agilität“ geht auf das lateinische Wort „agilis“ zurück, das sich mit „leicht zu führen, beweglich, geschäftig“ übersetzen lässt.«

Bevor es also darum geht, wie sich Agilität anwenden lässt, ist es wichtig die Grundlagen zu verstehen.
Was also genau ist Agilität und wie wird Agilität definiert?

Die Firma goetzpartners, ein Unternehmen, welches sich im Wandel befindende Unternehmen begleitet und berät, beschreibt in ihrem Journal zum Agilen Performer Index die Agilität so:

 

» Agilität ist die Fähigkeit einer Organisation, sich zeitnah, effektiv und nachhaltig zu verändern, um Performance-Vorteile zu erzielen.«

2 // Das Agile Manifest

 

 

Das Agile Manifest der Softwareentwicklung besteht aus insgesamt vier Werten und zwölf Prinzipien bzw. Richtlinien, die mehr als ein Mindset als eine konkrete Handlungsempfehlung zu verstehen sind.

 

»Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge.«

(Ein Wert des Agilen Manifests)

 

»Errichte Projekte rund um motivierte Individuen. Gib ihnen das Umfeld und die Unterstützung, die sie benötigen und vertraue darauf, dass sie die Aufgabe erledigen.«

(Ein Prinzip des Agilen Manifests)

3 // Geht´s jetzt los?

Die Ambidextrie lösen...

Die Zielsetzung zur agilen Transofrmation sollte mit folgenden Fragestellungen beginnen: Warum tun wir das und was versprechen wir uns davon?

In den von mir durchgeführten Interviews mit namenhaften Expert*innen aus den Bereichen Agilität und Projektmanagement wurde deutlich, dass die Digitalisierung eine Anpassung von Produkten und auch Geschäftsmodellen erforderlich macht. Und genau dort kann Agilität untestützen und helfen, Digitalisierungsprozesse und -projekte zu beschleunigen bzw. effizienter und effektiver Ergebnisse zu erzielen.

In den Interviews wurde zudem deutlich, dass die Einführung von Agilität nicht auf die Schnelle erledigt werden kann, sondern vielmehr ein andauernder Prozess ist, bei dem u.a. viel Geduld notwendig ist.

4 // Einführung von Agilität

Das 3-Ebenen-Modell

Es gibt einige Modelle, an denen sich Organisationen bei der Einführung von agilen Prozessen orientieren können. Dazu zählen das TRAFO-Modell sowie das 6-Erfolgsfaktorenmodell. Beide Modelle können dabei helfen, den Weg in die agile Welt zu ebnen.

Was beide Modelle jedoch aus meiner Sicht nicht hinreichend beantworten: Wie kann die Organisation konkret transformiert werden - oder anders gefragt: wie setzen wir als Unternehmen Agilität auf Basis des Agilen Manifests um?

Für viele Expert*innen dient das Agile Manifest als Leuchtstern - ein Maßstab bzw. Qualitätskriterium jeden Tuns. Oft wird Agilität auf die Einführung von Projektmanagementmethoden wie Scrum oder Kanban, teilweise auch nur für einzelne Projektteams, reduziert. Meiner Erfahung nach ist es sehr schwierig, wenn in einer "klassisch" organisierten Organisation, ein Team oder ein Projekt anders funktionieren sollen, in der Zusammenarbeit jedoch immer wieder mit anderen Arbeits- und auch Denkweisen konfrontiert sind.

Um in einer kompletten Organisation Agilität einzuführen, sollte sich vielmehr sehr bewusst am Agilen Manifest der Softwareentwicklung orientiert werden - verbunden mit einer individuellen Ableitung der Prinzipien in eigene, für die Organisation und ihre Voraussetzungen passende Grundsätze.

Hierzu haben ich das 3-Ebenen-Modell entwickelt, welches folgende Bereiche berücksichtigt: 

  • Die Prozess-Ebene
  • Die Ebene der Fähigkeiten
  • Und die Ebene der Mitarbeitenden

Wird innerhalb der Prozess-Ebene kein Nutzen für Agilität (im Unternehmen, für die Menschen) kommuniziert, ist es schwierig, die Mitarbeitenden überhaupt zu erreichen und die Agilität an der Stelle in die Breite zu tragen.

Egal wie groß und wie viel Agilität in einem Unternehmen eingeführt werden soll, das 3-Ebenen-Modell soll sowohl kleinen Teams als auch gesamten Organisationen helfen.

Autorin

Mareike Hattendorf verantwortet bei digit.ly den Bereich Operations. Neben ihrer Begeisterung für das Thema Agilität ist Mareike auch UXQB Certified Usability Professional und bringt viele Jahre Projekterfahrung in großen Relaunch-Projekten auf Auftraggeber- und Auftragnehmerseite ins Agenturgeschäft ein.

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