SXO: Das neue SEO?

Text: Mand Fröhlke  

Auch wenn der Begriff Suchmaschinenoptimierung suggeriert, dass für die Suchmaschine optimiert wird, sieht die Realität heute ganz anders aus. Mehr denn je stehen die Nutzer*innen und deren Verhalten im Fokus. Hierbei spricht man von der User Experience (UX), also dem Nutzererlebnis. Wir erleben mittlerweile eine immer stärkere Verschmelzung der Bereiche SEO und UX. Hieraus ergibt sich die Abkürzung „SXO“, also Search Experience Optimization.

 

Warum ist SXO so wichtig?

Nutzer*innen informieren sich über Suchmaschinen, aber auch direkt über KI-Systeme wie ChatGPT, Perplexity oder den KI-Modus der Google-Suche. Was möchten Suchmaschinen und KI-Systeme? Du willst den Usern möglichst relevante Vorschläge liefern und ihnen keine leeren Versprechungen machen. Unweigerlich sendet der User Signale aus. Sei es über die Verweildauer, die Absprungrate oder auch darüber, welches Suchergebnis von den Suchenden überhaupt angeklickt wird. Aber auch die Website sendet Indikatoren, die sich auf das Verhalten der Seite auswirkt. Stichwort Core-Web-Vitals. Lädt eine Seite schnell oder langsam? Dieser und weitere Aspekte zielen darauf ab, dass sich die Nutzer*innen auf der Seite wohlfühlen.

SEO UX Heart | digit.ly gmbh

SXO setzt die User in den Fokus

Natürlich wertet u.a. Google klassische Onpage-Faktoren, wie Keywords oder Links. Aber auch die Umgebung muss für die Nutzer*innen stimmen. Hier ist es wie in einem Supermarkt. Wenn sich die Kund*innen nicht wohlfühlen, sei es durch fehlende Infrastruktur, unlogischen Aufbau oder unfreundliches Personal, wird auch ein hervorragendes Sortiment nicht zu einer hohen Zufriedenheit führen.

Der Weg von SEO zu SXO

Ein klassisches Ziel in der SEO war es, den User von der Suchmaschine (in Deutschland vor allem Google) auf die Website zu bringen. SXO geht allerdings noch einen Schritt weiter und betrachtet darüber hinaus das Verhalten auf der Website. Deshalb ist es unabdingbar, zu definieren, welches Ziel eine Seite erzielen soll. In der Regel soll eine bestimmte Aktion bzw. Interaktion durchgeführt werden. Sei es das Klicken eines Kontaktbuttons, ein Kauf oder ein Download. Hierbei spricht man von Conversions. Somit sollte auch immer eine Conversionoptimierung im Fokus stehen. Denn was bringen User, die nicht die gewünschte Handlung durchführen und die Seite wieder verlassen? Richtig: ziemlich wenig. Das Seitenziel wurde verfehlt.


SXO ist mehr als SEO plus UX

Genauer betrachtet stehen drei Bereiche im Zusammenspiel: SEO, UX und Conversion-Optimierung (CRO). Jeder Bereich hat für sich seine Grenzen. Ein gutes Ranking bringt wenig, wenn die Seite nicht hält, was sie verspricht. Ein gutes Nutzererlebnis erzeugt keine Conversion, wenn der falsche Traffic auf der Seite landet. Und eine optimierte Handlungsaufforderung nützt wenig, wenn UX und Suchintention nicht zusammenpassen.

 

Aber woran erkennt die Suchmaschine eine relevante Seite für eine bestimmte Suche?

In solch einem Fall werden mehrere Signale an die Suchmaschine gesendet: Absprungrate, Verweildauer und falls der User direkt auf die Suchmaschine zurückkehrt, die Return-to-SERP-Rate. Schon wird der Suchmaschine angezeigt, dass die Seite ggf. nicht die erwartete Relevanz hat. Auch die Ladezeit spielt eine entscheidende Rolle, insbesondere im E-Commerce.

In vier Schritten von der Suche zur Conversion

SXO lässt sich als Kette von vier Schritten denken, bei der jeder Schritt auf dem vorherigen aufbaut. Zuerst die Suchintention: Wonach sucht Deine Zielgruppe wirklich, und mit welcher Absicht? Wer das falsch einschätzt, optimiert am Bedarf vorbei, egal wie gut Ranking oder Design sind. Danach das Snippet als erster Eindruck: Title Tag und Meta Description entscheiden mit, ob überhaupt geklickt wird, und ob die Erwartung zur Seite passt. Ein Snippet, das mehr verspricht als die Seite hält, führt zu Absprüngen, noch bevor der eigentliche Inhalt gelesen wird. Dann das Erlebnis auf der Seite: Hält die Seite, was das Snippet versprochen hat? Ladezeit, Struktur und eine klare Sprache wirken hier zusammen. Und erst zum Schluss die Zielhandlung: Conversion-Optimierung wirkt erst richtig, wenn die ersten drei Schritte stimmen. Sonst optimierst Du an einer Stelle, an der die Nutzer*innen gar nicht ankommen.

Worauf ist zu achten?

Wie schon beschrieben, ist es wichtig, ein Ziel der Seite zu definieren und eine klare Strategie zu verfolgen. Dazu ist es auch wichtig, die Suchintention der Suchenden zu kennen. Ist mein Inhalt informierend, erwarten die Seitenbesucher*innen Informationen zu einem Thema und wollen nicht zu einem Kauf gedrängt werden. Als Conversion wäre hier beispielsweise ein Download zu weiterführenden Informationen, wie einem Whitepaper, denkbar. Stehen diese, und weitere Aspekte, im Einklang zueinander, steigert dies die Relevanz. Deshalb ist ein Zusammenspiel aus inhaltlichen Aspekten und Zielrichtung der Website, entscheidend. Dazu kommt selbstverständlich noch, dass die Seite aus technischer Sicht einwandfrei sein sollte.

Was bedeutet SXO für KI-Suchsysteme?

Neben der klassischen Ergebnisliste beantworten inzwischen auch KI-Systeme wie ChatGPT, Perplexity oder der KI-Modus der Google-Suche Suchanfragen direkt. Für Deine Inhalte heißt das: Ein gutes Ranking reicht nicht mehr allein für Sichtbarkeit. Genauso wichtig ist, ob KI-Systeme Deine Seite als Quelle heranziehen. Der Fachbegriff dafür ist GEO, Generative Engine Optimization. Inhalte, die für SXO gut aufgebaut sind, klar strukturiert, an der Suchintention ausgerichtet, mit erkennbarer Fachkompetenz, erfüllen damit gleichzeitig viele Anforderungen von GEO. SXO ist also auch die Grundlage dafür, in KI-generierten Antworten aufzutauchen.

Warum SXO an Teamgrenzen scheitert

Wenn SEO, UX und Conversion-Optimierung in unterschiedlichen Teams liegen, mit eigenen Zielen und eigenen Kennzahlen, geht der Blick auf die gesamte Kette leicht verloren. Das Content-Team schaut auf Traffic, das UX-Team auf Absprungrate, das Marketing-Team auf Conversion. Alle drei Werte können sich gleichzeitig positiv entwickeln, und trotzdem sinkt die Zahl der qualifizierten Anfragen, weil niemand die gesamte Kette von der Suche bis zur Conversion im Blick hat. SXO ist damit auch eine organisatorische Frage: Wer verantwortet die gesamte Nutzerkette, und nicht nur den eigenen Teilbereich?

Barrierefreiheit gehört zu SXO

Eine klare Struktur, verständliche Sprache und technische Zugänglichkeit verbessern gleichzeitig das Nutzererlebnis und die Auffindbarkeit Deiner Seite. Barrierefreiheit gehört damit zu SXO.

SXO Checkliste

  • Zieldefinition der Website: Was will ich mit meiner Seite erreichen? Sollen Leads generiert werden? Soll es zur Imagesteigerung dienen? Soll ein Kauf generiert werden?
  • Zielgruppendefinition: Wie verhalten sich meine Kund*innen? Steht ein schneller Kauf im Vordergrund oder werden detailliertere Informationen benötigt? Wonach suchen sie bzw. welche Begriffe (Keywords) verwenden sie? Welches Bedürfnis hat der User? Aber auch die Gestaltung der Seite hängt von der Zielgruppe ab.
  • Welche Suchintention liegt vor, bzw. passt diese auch zu meiner Zielsetzung der Seite? User, die eine konkrete Kaufabsicht haben, wählen sehr häufig andere Suchbegriffe als jene, die sich noch am Anfang der Customer Journey befinden und sich erst einmal informieren wollen.
  • Schreibe Deinen Text für die Nutzer*innen und nicht für die Suchmaschine. Natürlich ist eine Keywordrecherche unabdingbar, um den Text gezielt zu schreiben. Allerdings solltest Du natürlich schreiben und Keywordstuffing vermeiden. Dies merkt die Suchmaschine heute sehr gut.
  • Schaffe relevanten Content für Deine Zielgruppe und Besucher*innen der Website. Verspreche nichts, was Du nicht halten kannst. Meta-Tags, H-Tags und Text auf der Seite sollten inhaltlich übereinstimmen.
  • Hab Deine KPIs im Blick. Subjektives Empfinden hin oder her. Im Fokus steht immer die Optimierung und dabei helfen Zahlen als Indikatoren. Wie entwickelt sich Deine Absprungrate, CTR, Return-to-Serp-Rate oder Verweildauer? Haben Anpassungen Auswirkungen gehabt?
  • Durch Conversionoptimierung kannst Du Zielerreichungen nachvollziehen und noch verbessern.

Wo Du mit SXO anfangen kannst, wenn Dir das alles noch zu viel ist:

  • Prüfe, ob Title Tag und Meta Description mit dem tatsächlichen Seiteninhalt und der Suchintention übereinstimmen.
  • Schau Dir an, welche Seiten viel Traffic, aber eine schlechte Verweildauer haben. Das sind die Bruchstellen in Deiner SXO-Kette.
  • Verfolge nach, welche Inhalte tatsächlich zu Anfragen führen, und welche nicht. Das lässt sich meist mit vorhandenen Daten beantworten, ohne neue Tools.
Mandy Fröhlke | digit.ly gmbh

Autorin

Mandy Fröhlke verantwortet bei digit.ly den Bereich Suchmaschinenoptimierung. Sie berät ihre Kunden vor allem bei der strategischen Ausrichtung der Suchmaschinenoptimierung. Herausragende Erfahrung hat sie im Laufe ihrer mehr als fünfjährigen Tätigkeit im Online-Marketing besonders in den Bereichen On-Page-SEO, Relaunch und Informationsarchitektur gesammelt. Zu ihren erfolgreich betreuten Projekten zählen internationale E-Commerce-Anbieter, aber auch mittelständische B2B-Unternehmen und regionale Dienstleister. Mandy kennt die praktischen Anforderungen einer modernen SEO sowohl von der Unternehmens- als auch von der Agenturseite. Sie findet Lösungen am liebsten auf Augenhöhe mit dem Kunden in konzeptionell ausgerichteten Workshops und einer strategisch fundierten, langfristigen Zusammenarbeit.

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Wie schnell wirkt sich SXO auf mein Ranking aus?

Unterschiedlich schnell. Veränderungen im Nutzerverhalten, etwa eine niedrigere Absprungrate oder eine längere Verweildauer, zeigen sich meist zuerst. Rankingveränderungen folgen oft mit Verzögerung, weil Suchmaschinen Verhaltenssignale über einen längeren Zeitraum beobachten, bevor sie Positionen anpassen

Lohnt sich SXO auch für kleinere Websites, oder ist das nur für große Unternehmen relevant?

SXO lohnt sich unabhängig von der Unternehmensgröße, weil das Grundprinzip, Suchintention, Nutzererlebnis und Zielhandlung aufeinander abzustimmen, für jede Website gilt. Bei kleineren Websites lässt sich der Einstieg oft sogar schneller umsetzen, weil weniger Seiten und weniger Abstimmungsaufwand zwischen Teams nötig sind.

Brauche ich neue Tools für SXO, oder reichen meine vorhandenen Daten?

In der Regel reichen vorhandene Analytics-Daten für den Einstieg. Absprungrate, Verweildauer und Conversion-Pfade lassen sich meist ohne zusätzliche Software auswerten. Zusätzliche Tools lohnen sich erst, wenn Du tiefer in einzelne Bereiche wie Core-Web-Vitals-Monitoring oder A/B-Testing einsteigen willst.

Wer sollte SXO im Unternehmen verantworten, Marketing oder IT?

Am besten beide gemeinsam, zusammen mit wem auch immer Content und Design verantwortet. SXO verbindet bewusst Bereiche, die klassischerweise getrennt betrachtet werden: SEO, UX und Conversion. Eine Person oder ein kleines Team sollte die gesamte Nutzerkette im Blick behalten, statt dass jeder Bereich nur seinen eigenen Ausschnitt optimiert.

Worin unterscheidet sich SXO von klassischer Usability-Optimierung?

Usability-Optimierung schaut auf das Erlebnis innerhalb der Website. SXO bezieht zusätzlich den Weg davor und danach mit ein: die Suchintention, mit der jemand überhaupt auf die Seite kommt, und die Handlung, die am Ende erfolgen soll. Usability ist damit ein Baustein von SXO.

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